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Macht und Rebel - von Matias Faldbakken

So, und jetzt die Rezension. Ich schreib sie quasi während des Lesens, gerade bin ich in der Mitte des Buches, weiss also noch nicht, wie es endet (ich habe es noch nicht fertig). Somit erstmal der Einstieg.

Tja, der Einstieg. Gewissenhaft liest man das Outlet, auch das Vorwort, und beginnt zu lesen. Und stutzt: Was ist das für ein Buch, in dem jemand in einen Supermarkt geht, um sich eine Gurke für den abendlichen Selbstbefriedigungsakt zu kaufen? Was kommt da noch? Was für einen Sinn hat dieses Buch? Was will der Autor zeigen? Fragen über Fragen, die Antworten stehen hoffentlich im Buch.

Gut, also man erfährt, dass die Person, die hier in Ich-Erzählerform schreibt, Rebel heisst. Übrigens auch im Original, der Buchtitel "Macht und Rebel" steht nämlich so in der englischen Wiki, somit dürfte das Buch wohl auch so in Norwegen heissen. Nebenbei: Matias Faldbakken, der Sohn des berühmten Schriftstellers Knut Faldbakken, 35 Jahre alt, also zum Zeitpunkt des Schreibens vor 5 Jahren ungefähr so alt wie die Protagonisten (der Zweite kommt später dran), gilt anscheinend als Enfant provocable et terrible de luxe im Literaturzirkus. Gut zu wissen, danke Wiki, auch wenns nur ein Stub war.

Gut, zurück zum Buch, und dem Protagonisten. Der hasst, so seine Aussage, die ganze Welt. Alle, seine Nachbarn, seine "Freunde", seinen Chef "Fatty", einfach alle. Das gehört zu seinem Lebensstil als anarcho-alternativer nihilistischer Skandinavier mit viel Freizeit nach abgebrochenem Studium und viel Drogen.

Arbeiten tut er, so erfahren wir, wie gesagt für "Fatty", einen Geschäftsmann, der die Wirtschaft dadurch kaputt machen will, dass er auf großen Events die neuesten Raubkopien von Nike-Schuhen, Microsoft-Programmen und ähnlichem vertickt. Dass er nebenbei damit reich wird und wichtig für die skandinavische Wirtschaft, ist für den ebenfalls anarchistischen Fatty ein Kollateralschaden.

Rebel, unser Held bzw. Antiheld, hat schon alles durch im Leben: alle möglichen Rauschzustände, Phantasien (unter anderem Weltzerstörung, Pädophilie, Vergewaltigungsphantasien (mit ihm als Täter und auch als Opfer) und Krisen. Mit ka, 27 glaub ich, hat er sich mittlerweile etwas gesetzt, sprich er nimmt den Alk nur soweit zu sich, dass er gedanklich wach bleibt, er steht nur noch auf Teenager mit Brustansatz und wartet nur noch auf das Ende der Existenz. Allerdings muss die von außen kommen, er selbst ist zu feige für Selbstmord.




Gut, Schnitt. Also im Buch, dort geht es jetzt zu Hauptfigur Nr. 2, Macht. Auch Erzählerwechsel, ab jetzt Er-Erzähler. Macht ist das Gegenteil von Rebel, obwohl nur 2 Jahre älter: Er ist erfolgreich, sehr erfolgreich. Und zwar damit, die schlimmsten Perversionen und Underground-Ideen zu Marken und viel Geld zu machen. Nach "Crackbaby" will er nun z.b. "Gangbang" vermarkten. Gangbang ist ein Tanga mit Vergewaltigungsszenen als Logo.

Subversiv wie er ist, will er jetzt ein Geschäft mit "Fatty" anraumen: NIKE soll selbst einige der gefakten Schuhe als "Underground-Marke" vertreiben. Sprich das Geld auch mit den Fake-Produkten machen. Dafür muss Macht allerdings erst mal an Fatty herankommen.

Die Chance dafür ergibt sich bei der neuesten Verkaufseventparty "PUSH Nr. 5", die von Fatty, Rebel und einigen anderen gerade organisiert wird. Nebenbei: Auch Macht steht auf Alk-Abstürze, Teenager, schreckliche Phantasien. Der einzige Unterschied zu Rebel ist eigentlich nur, dass Macht Erfolg hat und Rebel ein Loser ist.

Also zurück zu Rebel. Der hat zwischendurch ein Picknick mit einer seiner "Fickbekanntschaften" Fotti und einigen Jugendlichen Problemkindern als den Ghettos der nicht genannten Hauptstadt (wahrscheinlich Stockholm) gemacht, wo er ganz rattig wurde auf ein junges Mädchen, dass irgendwie Tanga und Jeans verwechselt hat.

Am Abend liest er dann "Mein Kampf" von Hitler und fühlt sich "inspiriert". So inspiriert, dass er sogar seine Bude aufräumt. Danach geht er zur subversiven Alternative-Party von Fatty (sehr subversiv, denn es ist eigentlich nur eine Wärmedeckenverkaufsveranstaltung, nur halt für jüngeres Publikum und mit anderen Produkten), wo er sich zulaufen lässt.

Doch irgendwie bringt die Party ihm keinen Spaß und so geht er nach Hause, trifft dann einige der Problemkids wieder, und sorgt mit diesen dafür, dass die Party echt Action kriegt: Man macht eine kleine Rally im Hangar, in dem die Party stattfindet. Eine Rally mitten durch die Gäste natürlich. Danach gehts dann zu Freunden, wo die 13jährige "Thong", sprich das Mädchen mit dem komischen Kleidungsstil, auch ist, die auch gleich mal von Rebel gebumst wird (ein anderes Wort fällt mir da grad nicht ein).




So, da bin ich nun, und nun gehts weiter. Und zwar mit Macht mal wieder, der hat mal eben Fotti geknallt und muss sich nun um ein Problem der Firma T.S.I.V.A.G. kümmern, die Probleme wegen Diskriminierung von Juden hat. Rebel dagegen hat Probleme, weil Fatty ihn bei der Aktion mit dem Auto erkannt hat, und Thong hat jetzt ihre kleine 12jährige Schwester am Hals, die (ebenso wie Thong) von Zuhause abgehauen ist, weil ihre Eltern und ihr Freund ihr nach einer Vergewaltigung durch einen Gutmenschen-Sprößling gut zureden wollten. Und Rebel trifft Macht, der vorher nur von durch Rebel abgewandelten Hitlerreden erfahren hat.

Gut, Macht und Rebel treffen sich mit Thong und Thong Jr. und beschließen, ab jetzt mit diesen beiden Mädchen (oder sollte man Kinder sagen? Denn Kinder sind sie ja eigentlich nicht mehr nach Entwicklung... wohl aber nach Gesetz... Gut, lassen wir es bei Mädchen, dass ist unverfänglicher) was zu haben. Gut, wieder zurück ins Teenie-Lokal (das irgendwie eher ein Offline-Knuddels ist) und danach zu Rebel, mit den Einwandererkids vom Vortag und den Mädels rumficken (also die Jungs schauen zu, die Homophantasien haben Macht und Rebel bereits aufgegeben, nicht mehr modern.) Ok, aber nicht so ok ist dann halt, dass Fotti sie am Nachmittag dabei erwischt.

Macht und Rebel haben ein Bündnis geschlossen: Sie helfen sich gegenseitig. Akt 1: Macht geht mit Jr. zu Fatty und unterbreitet ihm die Idee einer Demo gegen den T.S.I.V.A.G. klagende Konzern Payplug, welche Fatty dank Anmachen von Jr. annimmt. Fatty beginnt sofort mit den Planungen für die große "Demonstruction" und die Aktion geht los.

Nach einigen Szenen für Fans von Teenporn zeigt Rebel, wogegen er rebelliert: Den Individualismus, der seiner Ansicht nach für die ganzen gesellschaftlichen Probleme verantwortlich sei, und Macht hat den Ausweg aus allem: Godwin's Law, nach dem jede Diskussion beendet ist, wenn das Thema auf Hitler kommt (schöne Grüße an Bild und Bams.) Gut, gesagt und getan, und Rebel geht mit seinen Einwandererkids ins Tattoo-Studio, um sich NS-Zeichen einzutätowieren.

Später beginnen sie, ein Pamphlet (also eine Streitschrift, die meist polemisch und mit harschen Aussagen versehen ist) zu verfassen und gedrehte Videos von ihnen und den Mädchen verbreiten sich wie geplant im Internet (nebenbei gesagt: ich distanziere mich natürlich, auch da es eine Satire ist, von jeglichem Inhalt dieses Buches. Ehe noch irgendwelche blöden Sprüche kommen. Und das Buch zu lesen war eine Empfehlung, ich habe es mir nur ausgeliehen.)

Die Aktion steigt. Wie diese genau aussieht, verrate ich hier erstmal nicht, aber es ist ein Bild des Chaos. Und beendet wird das Buch mit Witzen gegenüber Minderheiten.




Was zeichnet dieses Buch aus, weswegen sollte man es lesen? Ist es die Story? Oder was?

Die Story selbst ist glaub ich nur marginal wichtig. Es ist wie in einem guten Porno: Wichtig ist nicht die Story, sondern die Überleitung von der Begrüßung zum Oral-Sex (Ich sage nur: Stroh - Maske - Blas mir einen).

Seitenlange Passagen über die Firmenpolitik einer fiktiven Firma, die den Hass der Linken erklären soll, Marketingstrategen, die sich (hier am Beispiel von "Out of Bed"-Look von L'Oreal) Markenideen wie: "Out of the North Tower of the WTC at 10:23 on September 11th" ausdenken, und mit Tangaprodukten wie "Crackbaby" nicht etwa pleite gehen, sondern Verkaufsrekorde erziehen, nicht zu vergessen die gefälschten Markennamen wie "IDEA" (IKEA), "DOPEL" (OPEL), "DAD-Video" (als Logik, dass die meisten DVDs Pornos sind).

Details, bei denen man sich denkt: Das kann doch nicht sein, wie kann sowas durchgehen. Nur um dann zu erkennen: Es geht immer wieder durch. Je absurder, je provokanter eine Idee, desto mehr Erfolg hat sie. Desto eher wird es geschluckt.

- Vorratsdatenspeicherung sorgt für Freiheit durch Sicherheit.

- Biodiesel rettet die Umwelt durch Zerstörung des Regenwaldes.

- Die deutsche Sangeskultur wird gerettet durch "Wir spielen Cowboy und Indianer".

- Ein Sender wirbt mit "Vielfalt" durch Einschränkung des Musikangebots auf 300 Titel.

Und das schlimmste: Sie haben alle auf ihre Weise Erfolg mit ihrer "Logik". Und wer provokant dagegen spricht, ist entweder ein Depp, ein "Tabubrecher" oder wird verklagt. Am besten alles zusammen.

Und anders als bei 1984 bekommt man nicht das Gefühl, auf der einen Seite einzelne Anzeichen heutiger Kultur zu sehen, andererseits aber sich daran stößt, dass viele Ideen veraltet sind, da die Technik und Gesellschaft weiter ist.




Für wen ist das Buch geeignet?

1. Für Menschen über 12 - Aus einem Grund: Kinder werden das Buch nicht verstehen, und als Aufklärungbuch eignet es sich nicht einmal für Pädophile

2. Für Fans von Klopfers Web. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass Klopfer Koautor der Übersetzung ist, so sehr hatte man das Gefühl, in einer Welt zu versinken, in der durchblick.ch zum Normalfall geworden ist.

3. Für Menschen, die sich nicht schämen, aufzulachen, auch wenn es political incorrect ist.

Nicht geeignet ist es eindeutig für:

1. Menschen ohne Sinn für absurden Humor.

2. Menschen mit festgefahrenen Denkmustern und Ideologien.




Die Übersetzung und Aufmachung

Das Buch ist gut strukturiert, anders als z.b. bei 1984 brechen auch Einschübe wie die Geschäftspolitik der Firma Payplug nicht die Gesamtstruktur, sie stehen an der richtigen Stelle, und bringen Klarheiten oder bauen neue Spielfelder auf. Der Autor springt nicht ewig zwischen verschiedenen Welten, ohne dieses nicht durch Absätze oder Worte anzukündigen. Der Text wirkt dadurch aufgelockerter, fast wie ein langer Blogeintrag.

Der Vergleich passt sogar: Die Wortwahl zieht viele Begriffe aus dem heutigen Marktbusiness. Es wird sogar eine Hitlerrede so umgebaut, dass die Rede sich nun gegen die Konsumwelt richtet. Natürlich ist da die Gefahr, dass in 20 Jahren die Menschen sich fragen, wieso eine Firma sich das Motto "Plug and Pay" gibt oder Fatty ein T-Shirt mit dem Fake "Paranokia - confusing People" trägt, wenn die Firmen und Konsumenten die originalen Werbesprüche längst vergessen haben, jedoch denke ich, dass es bei einem Buch, dass die heutige Situation in Skandinavien satirisch aufzeigen soll, nicht darauf ankommt, dass es 30 Jahre später noch ohne Probleme verstanden wird, anders als bei 1984, dass durch die Wahl von Begriffen, die im Jahr 1948 noch modern, 1984 aber bereits überholt waren, an Aktualität verlor, entgegen dem Titel des Buchs.

Die deutschen Übersetzer haben in vielen Bereichen versucht, im Deutschen die Bosheit und Inkorrektheit der Witze beizubehalten. Sicher kompliziert, immerhin ist das Original auf norwegisch geschrieben worden, vor allem ist es natürlich kompliziert, das heutige typische Dummsprech passend einzubauen, und eine möglichst authentische Ghettosprache durchzuhalten. Nur so als Frage: Haben die Übersetzer vorher PI.org oder Klopfers-web gelesen? :D Das dachte ich zumindest, als der Firma Payplug vorgeworfen wurde, 15000 weisse Hasen gequält zu haben.

Das Buch liest sich gut, es ist lebendig geschrieben, wie gesagt auch mit viel Denglisch drin, wenn, muss man auch schriftstellerische Modekrankheiten richtig einarbeiten. Es gibt einige Abbildungen, meist Diagramme oder Logos, die den Aufbau auflockern. Das Buch liest sich für über 350 Seiten sehr fix, obwohl ich eigentlich nicht so ein schneller Leser bin, war es doch in einem Tag gelesen.




Und was will der Autor also mit diesem Buch uns sagen? Wieso bricht er so gut wie jedes Tabu, schreibt über Sex mit Kindern, über Diskriminierung und Ausnutzung von Minderheiten, über absurde Geschäftsideen und Praktiken von Konzernen? Was will er uns sagen?

Nun, meinem Empfinden nach will er uns damit eines sagen: Hinter der Fassade von Toleranz, Moral und Anstand schlummert nicht nur Intoleranz und Rassismus, Morallosigkeit und fehlender Anstand, nein, er ist hellwach.

Frauen, Ausländer, Behinderte sind auch heute noch schlechter bezahlt, öfter unterdrückt, in Pornofilmen der passive Part.

Alle sind gegen Pädophile, und regen sich über Dinge wie Teenagermütter, Kindesmißbrauch und Sex-Tourismus auf, aber in der Bravo werden Kondome verteilt, im Fernsehen gehts nur noch um Sex und der Jugendkult wird gehuldigt.

Konsum wird vor allem von den Linken verteufelt, Markenkult wird negativiert, und dennoch huldigen die Linken ihren eigenen Marken und Logos.

Ideologien werden hochgehalten, und dienen doch nur noch dafür, den größtmöglichen Markterfolg zu kriegen. Die Ideologien selbst verlieren am Ende des Kampfes.

Der Autor will aber weder eine bestimmte Ideologie hier hervortun (weder die Autonomen, die doch sich wie normale Wirtschaftsleute verhalten, als auch die Nazis, die sich selbst ad absurdum stellen, indem ausgerechnet die Einwanderer diese Ideologie im Roman vertreten), noch will er Dinge wie den sexuellen Mißbrauch von Kindern gutheissen, wie es sämtliche Protagonisten stillschweigend zu tun scheinen. Er überspitzt, pervertiert und verfärbt die Realität des Romans wo es geht, aber er macht sich diese am Ende durch die Absurdisierung der Hauptcharaktere als typische Nichtsaussager wieder (die Schlussepisode erinnert an Endszenen aus 80er Jahre Actionserien, wo der Sidekick noch mal einen Gag reissen darf, ehe der Abspann kommt.)

Oder wie es der Verlag im Einband beschreibt: "Personen oder Handlungen dieses Romans sind frei erfunden. Sollten sich bei der satirischen Darstellung gesellschaftlicher Verhältnisse Ähnlichkeiten mit der realen Welt ergeben, so bedauert der Verlag weniger die Form der Darstellung als den Zustand der realen Welt."

Und nicht vergessen: Das Buch ist eine Satire. Ich hoffe es zumindest, nicht dass es am Ende eine Dokumentation über Skandinavien wird.
27.4.08 04:37
 
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